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Die natürliche Bedeutung des Gebietes
Die Schmücke als archäologisches Schutzgebiet


Die natürliche Bedeutung des Gebietes index

Von europaweiter Bedeutung sind die Vorkommen wertvoller Magerrasenbestände und 13 verschiedener Fledermausarten (Chioptera) mit diversen größeren Wochenstuben von je mehreren 100 Tieren, die insbesondere die Schmücke als Nahrungsrevier benötigen. Im Ergebnis einer internationalen Mopsfledermaus- (Barbastella Barbastellus) Tagung konnte festgestellt werden, dass die Schmücke das europaweit zweitgrößte Winterquartier für diese Art beherbergt.

Im Rahmen der Ausbreitung der Wildkatze (Felis silvestris) bildet die Schmücke einen Wanderkorridor. Seit Ende der 80er Jahre stellt sich eine Reviertreue ein.

Zahlreiche geschützte Vogelarten finden auf der Schmücke Brut- und Nahrungsplätze. Wichtige Verpflichtung ist beim Schutz der Rotmilan (Milvus milvus) anzuzeigen, dass er in diesem Bereich und Teilen von Nordthüringen und Sachsen-Anhalt die europäische Stammpopulation bildet.

Die Kahle Schmücke ist nicht nur von seltenen und vom Aussterben bedrohten Pflanzenarten und -gesellschaften übersäht, sondern auch von zahlreichen Bodendenkmalen. Viele archäologische Fundstätten (vor allem ur- und frühgeschichtlich) auf dem kahlen Kamm der Schmücke haben dazu geführt, dass dort durch das Archäologische Denkmalamt Weimar ein Schutzgebiet beantragt wurde. Trotz vielfältigen Aktivitäten ist auch das bis zum heutigen Tage nicht erfolgt! "Ein ganzes System von Wällen, Gräben und vorgeschichtlichen Fluchtburgen überzieht den Kamm von Schmücke und Finne. Ein bronzezeitliches Hügelgräberfeld im Bereich des Kammes ca. 1 km westlich von Harras sollte ebenso wie der Burghügel unmittelbar westlich des Harraser Passes archäologischen Schutzes unterstehen" - so in einem Gutachten. Auf dem prähistorischen Grabhügel (Kessel) dürfte im Mittelalter ein Wachtturm zur Sicherung des Bergüberganges an der bedeutenden Verbindung von Oberheldrungen nach Hemleben gestanden haben… . Die Wüstung Altendorf in der Gorslebener Flur lag am Hang der Schmücke nach Gorsleben zu, an der Quelle Artrasborn.

Diese und weitere schutzwürdige Güter übersteigen die rein regionale Bedeutung - doch das 1993 beantragte archäologische Schutzgebiet des Schmücke-Kammes zwischen dem Gorsleben-Heldrunger-Weg und dem Heldrungen-Harraser Passweg wurde nicht im erst neu erstellten Denkmalbuch festgeschrieben. All die schönen Vorzüge, die unsere Region "Westliche Schmücke" aufzuweisen hat, hindern die Planer nicht - hier wird verfahren wie die "Axt im Walde", was nicht im Einklang mit der Natur und deren vielfältigen Schönheiten steht.


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Die Schmücke ist nicht nur von seltenen und vom Aussterben bedrohten Pflanzenarten und -gesellschaften übersät, die Lebensraum für seltene Tierarten bilden, sondern sie ist auch übersät von zahlreichen Bodendenkmälern.

(Abbildungen sind von der Schmücke)

"Ein ganzes System von Wällen, Gräben und vorgeschichtlichen Fluchtburgen überzieht den Kamm von Schmücke und Finne. Ein bronzezeitliches Hügelgräberfeld im Bereich des Kammes ca. 1 km westlich von Harras sollten ebenso wie der Burghügel unmittelbar westlich des Harraser Passes archäologischen Schutzes unterstehen", heißt es in einem Gutachten für den Schmücke-Abbau. Auf diesem letztgenannten Hügel dürfte im Mittelalter ein Wachtturm zur Sicherung des Bergüberganges an der bedeutenden Verbindung von Hemleben nach Oberheldrungen gestanden haben …".

Die Wüstung Altendorf in der Gorslebener Flur lag am Hang der Schmücke nach Gorsleben zu, an der Quelle Artrasborn. (Die Stelle wird derzeitig durch ABM von der Gemeinde Gorsleben "saniert".)

Über den Kamm verläuft ein Fernhandelsweg, der noch heute als "Rennweg" bekannt ist und die Burgen und Wehranlagen von Schmücke und Finne verband.

Im großen Schutzwürdigkeitsgutachten zum beantragten Naturschutzgebiet "Schmücke"
(Andres/Fechtler, Göttingen, Nov. 1994) wird auch auf die archäologische Schutzbedeutung dieses sensiblen Gebietes verwiesen.

Doch was ist in den Jahren seit 1993 diesbezüglich geschehen? Wahrscheinlich "schmoren" diese Unterlagen wieder in den vielen Schreibtischkästen der zuständigen Behörden? Viele Signale sandte unser Arbeitskreis in den letzten zwei Jahren an das Kulturministerium und das Landesamt für Denkmalpflege sowie an den Kulturbund; auch das Umweltministerium und zuständige Stellen in der Kreisverwaltung sind mit dieser Angelegenheit befasst …!

In einem Antwortschreiben vom 29.02.2000 teilte uns das Thüringische Landesamt für Archäologische Denkmalpflege mit: "Die Ausweisung des Gesamtlandschaftsteiles "Westliche Schmücke" als archäologisches Schutzgebiet ist Anfang der 90er Jahre nicht weiter verfolgt worden; in der Folgezeit wurden die bereits ausgegrabenen Bodendenkmale erfasst und gemäß § 4 Thür. Denkmalschutzgesetz vom 07.01.1992 in das Denkmalbuch des Freistaates Thüringen eingetragen. Dieses Eintragsverfahren wird für den Kyffhäuserkreis in den kommenden Wochen abgeschlossen sein."

Warum wurden die (unterirdischen) Bodendenkmale auf den Kammlagen der Schmücke nicht berücksichtigt? Sie sind keineswegs nur Vermutungen von Wissenschaftlern, sondern Zeugen von grenzenüberschreitendem Kulturerbe, welches unbedingt im Thüringer Denkmalbuch verankert werden sollte!


Oberheldrungen, 04.03.2000 Arbeitskreis Bundesautobahn A 71

(Abbauer müssen archäologische Funde auf eigene Kosten sichern, was sehr kostenintensiv ist und vor allem zeitaufwändig. Kommen die Behörden dem Abbau entgegen, indem sie untätig sind?)


Veröffentlichungen des Kreisheimatmuseums Bad Frankenhausen (Heft 15)

Gab es auf der Kahlen Schmücke bei Heldrungen einen Rastplatz der älteren Altsteinzeit?

Hans Günther

Östlich des Unstrutdurchbruches zwischen den Orten Sachsenburg und Oldisleben beginnt der nordwestlich-südöstlich orientierte Höhenzug der Schmücke. Der zum nördlichen Rand des "Thüringer Beckens" gehörige Bergrücken gliedert sich in zwei Teile, der bewaldeten und der unbewaldeten, der "Kahlen Schmücke". Im unbewaldeten Teil des Höhenzuges ist seit Jahrhunderten Ackerbau betrieben worden, bei dem die flachgründigen, dem Betrachter dunkelbraun erscheinenden Böden jährlich bewegt wurden. Die ständige Beackerung hatte zur Folge, dass immer wieder Bodenfunde aus urgeschichtlicher Zeit zu Tage befördert wurden, die das Interesse der Grundstücksbesitzer wie auch anderer interessierter Personen seit mehr als 200 Jahre weckten.

Auch heute können bei Flurbegehungen Funde entdeckt werden, die eine urgeschichtliche Besiedlung von der älteren Steinzeit bis in das Mittelalter belegen. Zu den jüngsten Funden in dieser Region gehören Quarzitbruchstücke, die typische Merkmale einer menschlichen Bearbeitung zeigen. In unmittelbarer Nähe des Flurstückes "Neun Linden" entdeckte der ehrenamtliche Bodendenkmalpfleger Harald Tettenborn aus Heldrungen die ersten Abschläge von Quarziten, die an der Fundstelle verstreut im Boden lagerten.

Quarzit ist ein Mineral, welches an keiner Stelle der näheren Umgebung entstanden ist, deshalb erregten die ersten Splitter des grau-braunen Minerals auf der Schmücke besonderes Interesse. Das unserer Fundstelle am nächsten liegende natürliche Quarzitvorkommen befindet sich im Bereich der im nördlichen Harzvorland zutage tretenden kreidezeitlichen Ablagerungen. Im Eiszeitalter verfrachtet, mag es der Mensch in den Flußoniederungen gefunden und dann zum Lagerplatz getragen haben. Dort erfolgte dann die Bearbeitung der Gesteinsstücke zu Werkzeugen.

Die auf der Kahlen Schmücke gefundenen Gegenstände sind meist Kernsteine, von denen Späne abgetrennt wurden, die retuschiert (geschärft) dem täglichen Gebrauch dienten. Waren die Werkzeuge unbrauchbar geworden, schärfte man sie durch Abschlagen der stumpfen Arbeitskanten oder warf sie achtlos weg, da offensichtlich genügend Gestein vorhanden war, um neue Geräte herstellen zu können. Dies erklärt auch die auf relativ engem Raum angetroffene Fundkonzentration. Die Streuung der Funde lässt sich in einem ca. 400 m² großem Areal beobachten. Der Fundplatz befindet sich auf einem flachen, das umliegende Gelände nur wenig überragenden Geländerücken mit einer freien Aussicht über den mittleren Teil der Schmücke.

Die Bedeutung dieses Geländeabschnittes wird daran erkennbar, dass auch jüngere Besiedlungsgruppen in dem Gelände ihre Spuren hinterlassen haben. Neben einer weiten Streuung mittelsteinzeitlicher Funde im Scheitelbereich der Kahlen Schmücke sind jungsteinzeitliche Siedlungen, bronzezeitliche Siedlungen und Hügelgräberfelder sowie zahlreiche Oberflächenfunde bekannt. Unmittelbar südlich der Quarzitfundstelle befindet sich als jüngste Siedlung die wüste Dorfstelle Altenhof dicht neben der einzigen Trinkwasserquelle der Schmücke, dem Artrasborn. Die Summe aller die Anlage von Siedlungen begünstigenden Faktoren lässt uns nicht verwundern, dass auch im Paläolithikum das Gelände zur Anlage eines Lagerplatzes vorteilhaft erschien und genutzt wurde.

Die zeitliche Datierung des durch den ehrenamtlichen Bodendenkmalpfleger H. Tettenborn geborgenen Fundmaterials ist auf Grund fehlender Werkzeugtypen bisher noch nicht exakt möglich. Anhand des gefundenen Werkstoffs Quarzit liegt jedoch die Vermutung nahe, dass sich bereits vor dem Mittelpaläolithikum Menschen auf der Kahlen Schmücke aufgehalten haben und die Quarzitstücke bearbeiteten. Die typische Merkmale einer menschlichen Bearbeitung zeigenden Funde bereichern den Erkenntnisstand der frühesten menschlichen Besiedlung unserer Heimat.

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