Die "Kahle Schmücke" als FFH - Gebiet oder Opfer wirtschaftlicher Interessen

"Thüringen mit seiner einmaligen Naturausstattung wird aus Überzeugung und in Verantwortung für seine Naturgüter seinen Beitrag zur Erhaltung der biologischen Vielfalt leisten" - so der thüringische Minister für Umwelt und Landwirtschaft, Dr. Sklenar, zur Umsetzung der FFH-Richtlinie in seinem Bundesland, dem GRÜNEN HERZEN DEUTSCHLANDS.

Die Schmücke ist ein kleiner Höhenzug in Nordthüringen am Nordrand des Thüringer Beckens im östlichen Teil des Kyffhäuserkreises. Im Verbundsystem mit den Mittelgebirgszügen Hainleite und Finne bis zur Hohen Schrecke und dem Kyffhäusergebirge repräsentiert die Kahle Schmücke als langgezogener südwestexponierter Muschelkalk-Kamm mit seinen extrem trocken-warmen Bedingungen hervorragende Offenlandlebensräume für Flora und Fauna. Die Vielfalt der Biotop- und Habitatstrukturen in diesem Gebiet zeichnet sich durch einen großen, mehr oder weniger zusammenhängenden Biotopkomplex aus Felsfluren und Trockenrasen, Streuobstwiesen und Kalkäckern aus, die von Gebüschen trockenwarmer Standorte durchdrungen sind und in Verbindung der geomorphologischen Struktur und des thermophilen Klimas Lebensraum von prioritärer Bedeutung bilden. Ein Schutzwürdigkeitsgutachten belegt die Einzigartigkeit des Gebietes, in dem von 25 gefährdeten Pflanzengesellschaften der Thüringer Roten Liste 2 vom Aussterben bedrohte Ackergesellschaften festgestellt wurden. Von den 971 dort beobachteten Pflanzen- und Tierarten auf dem kleinen Raum von ca. 700 ha Flächengröße befinden sich insgesamt 190 Arten auf der Roten Liste Thüringens (58 Pflanzen- und 132 Tierarten). Darunter sind 3 Arten, die als ausgestorben oder verschollen galten, und 24 sind vom Aussterben bedroht, sowie 2 Neunachweise für Thüringen. Sowohl aus botanischer wie aus zoologischer Sicht ist das Gebiet von herausragender Bedeutung für den Arten- und Biotopschutz. Es kommen weiterhin 4 Leitarten des Landschaftsprogrammes Thüringen hier vor. Die Lebensräume für diese Arten sind in der RROP als Vorranggebiete des Naturschutzes auszuweisen, um diese bedrohten Arten vor allen Beeinträchtigungen zu schützen. Das ist nicht geschehen, trotz vielfältiger Proteste im Vorfeld rechtlicher Entscheidungen, entgegen den Informationen in "Naturschutz im Kyffhäuserkreis" - Landrat Peter Hengstermann:

"… die Bewahrung der Natur und Landschaft in ihrer heutigen Vielfalt ist eine wichtige im Grundgesetz verankerte Aufgabe, deren Verwirklichung zu den bedeutsamsten Zielen der Naturschutzpolitik Deutschlands zählt. Der Lebensraum wildlebender Tiere und Pflanzen muss stärker als bisher vor Eingriffen und Beeinträchtigungen geschützt werden. Wertvolle Biotope müssen vor der Zerstörung bewahrt, neue geschaffen werden. Die Bewahrung wichtiger kulturhistorischer Naturgüter, die sich für das Territorium des Kyffhäuserkreises durch hohe Präsentation auszeichnet, gilt als besonderer Schwerpunkt. Dies wird gewürdigt mit dem "Naturschutzgroßprojekt Kyffhäuser von gesamtstaatlich repräsentativer Bedeutung für Deutschland", wo über einen Zeitraum von 10 Jahren Fördermittel von Bund und Land die hohe naturschutzfachliche Attraktivität und die einzigartige ökologisch wertvolle Naturausstattung fördern soll. Ein guter ökologischer Faktor wirkt positiv auf die ökonomische Entwicklung einer Region".

Doch mit diesen schönen Worten ist dem Naturschutz der Kahlen Schmücke nicht gedient - im Gegenteil: obwohl die Kahle Schmücke zu den wertvollsten Naturarealen des Landes Thüringen zählt, wurden die seit 1992 gestellten zahlreichen wissenschaftlich und vom Bürgerwillen untersetzten Antragstellungen auf Ausweisung als NSG trotz mehrfach überarbeiteter Schutzverordnungsentwürfe nicht umgesetzt - nach Auslaufen einer einstweiligen Sicherstellung von 1993 bis 1996 ist keine Dauerhafte erfolgt!

Obwohl das Ergebnis des Schutzwürdigkeitsgutachtens festlegt, dass ein Kalksteinabbau und die Errichtung von Windkraftanlagen abzulehnen sind und die Autobahn nur durch Untertunnelung erfolgen soll (was nun endgültig beschlossen wurde und wir als großen Erfolg sehen), wurde dem bislang nicht stattgegeben - am Abbau des Höhenzuges hält man weiterhin fest.

Am 25. Januar 2000 wurde die "Westliche Schmücke - Spatenberge" als FFH-Gebiet Nr. 29 durch die Landesregierung als besonders schutzwürdiges Gebiet zur Einbeziehung in das Europäische Schutzgebietsnetz NATURA 2000 vorgeschlagen und somit ein langjähriger Wunsch erfüllt - ein weiterer Teilerfolg für den Naturschutz!

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